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Szenariotechnik – Wie Sie die Zukunft strategisch vorausdenken

Eine Szenariotechnik ist ein Werkzeug, das Ihnen helfen kann, die Zukunft zu verstehen und vorauszusehen. Sie können sie nutzen, um eine strategische Vision und einen langfristigen Plan zu entwickeln und zu bewerten, die Erfolgsfaktoren Ihres Geschäftsmodells zu analysieren und potenzielle Risiken zu identifizieren. In diesem umfangreichen Leitfaden geben wir ihnen eine Schritt für Schritt Anleitung an die Hand um ihre Geschäftsstrategien zu entwickeln.
Inhalt

Überblick zur Szenariotechnik 

Die Szenario-Technik ist eine Methode, die zur Entwicklung von hypothetischen Zukunftssituationen verwendet wird. Sie umfasst Methoden und Werkzeuge, um treibende Kräfte, einflussreiche Faktoren und den Kontext für Ihr Unternehmen, Ihre Kunden, den Markt und die Konkurrenz zu identifizieren und zu untersuchen.

Im wirtschaftlichen Bereich werden meist drei Szenarien verwendet, um den Szenariotrichter an den Außengrenzen zu definieren. Hierfür wird das bestmögliche Szenario (Best Case) inklusive der Rahmenbedienungen, die eintreten müssen, erstellt, damit dieses eintritt, sowie das schlechteste zu erwartende Szenario (Worst Case). Für das Szenario mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit wird dann das Normal Case, welches oft auch als Business Case bezeichnet wird, entwickelt. 

einfacher Szenariotrichter

Was sind die Vorteile und Grenzen der Verwendung einer Szenariotechnik für die Strategieplanung?

Ein Szenario kann zum Beispiel zeigen, wie sich ein Unternehmen verhalten würde, wenn seine Produkte grundsätzlich zwar erfolgreich wären, es aber aus verschiedenen Gründen nicht genügend Absatz findet. Es kann auch zeigen, wie sich ein Unternehmen verhalten würde, wenn seine Konkurrenten erfolgreicher sind als sie selbst und wie sie miteinander eigentlich konkurrieren.

Szenarien werden in vielen verschiedenen Bereichen eingesetzt, z.B. in der Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kunst. In der Wirtschaft werden sie häufig verwendet, um den potenziellen Erfolg neuer Produkte, Projekte, Geschäftsmodelle oder Strategien zu analysieren.

Wenn die Szenariotechnik effektiv eingesetzt wird, kann ein Szenario als ein wertvolles Instrument für Unternehmen in Ihrem strategischen Planungsprozess und in der Entscheidungsfindung sein.

Mit einem Szenario lässt sich darüber hinaus darstellen, wie sich ein Unternehmen verhalten wird, wenn bestimmte Bedingungen vorherrschen oder spezielle Situationen nicht eintreffen. Es hilft Unternehmen, alle Möglichkeiten zu berücksichtigen, die sich auf ihr Geschäft auswirken könnten und ihre strategischen Überlegungen auf die vielversprechendsten Szenarien zu konzentrieren.

Andernfalls könnten Sie ohne gezielte Szenarienbildung wichtige Chancen verpassen und die Bedrohungen, die Ihr Geschäft untergraben könnten, nicht erkennen. Weshalb die Szenariotechnik oft als Bestandteil des Risikomanagements betrachtet wird.

Explorative Szenarioanalyse im Szenariotrichter
Explorative Szenarioanalyse im Szenariotrichter

Darüber hinaus hilft auch die Rückwärtsbetrachtung eines erwünschten Szenarios dabei, Wege dorthin zu finden, indem sich das Projektteam mit der Frage beschäftigt: Was muss genau geschehen, damit dieses Ziel erreicht werden kann?

Antizipative Szenarioanalyse im Szenariotrichter
Antizipative Szenarioanalyse im Szenariotrichter

Wichtig bei allen Vorteilen, die der Einsatz der Szenario-Technik mit sich bringt, existieren auch Grenzen. Gerade da wo nicht alle Einflüsse oder Meinungsbilder von verschiedenen Stakeholdern bekannt sind oder auch unvorhersehbare Situationen, wie z.B. die Corona-Pandemie, verliert die Szenario-Technik ihre schärfe, solange sie nicht regelmäßig auf alle Punkte hinterfragt wird. Aus diesem Grund empfehlen wir immer zusätzlich zur Szenariobildung auch eine SWOT-Analyse als Basis für das Risikomanagement mit einzubeziehen. 

Dennoch sind Szenarien für die strategische Entwicklung unerlässlich, damit Sie sich schnell auf Veränderungen einstellen können. Jede Situationsveränderung kann auch als Signal verwendet werden, um den Einfluss zukünftiger Entwicklungen besser einzuschätzen und so Unternehmern helfen die folgenden Punkte besser zu verstehen.

  • Welches die attraktiven Märkte der Zukunft sind

  • Wie sich die Bedürfnisse und Werteansprüche der Kunden verändern

  • Welche Technologien ersetzt werden und worauf sich Technologien aus anderen Bereichen ausweiten

  • Wie sich die rechtliche und steuerliche Bedingungen in einem Land verändern werden

  • Welche Trends einen Einfluss auf die Gesellschaft haben werden

  • Welche makroökonomischen Veränderungen zu erwarten sind

  • Wie sich Teilmärkte, ganze Branchen oder einzelne Wettbewerber entwickeln werden 

Die drei am häufigsten verwendeten Szenarien 

Nach dem Szenario-Trichter Modell werden die Grenzen der möglichen Szenarien durch die Abgrenzungen des Best Case Szenarios sowie Worst Case Szenarios definiert. Darüber hinaus kann in Kombination der Eintrittswahrscheinlichkeiten und Trendanalysen auch das Normal Case Szenario definiert werden, was das eigentliche Ziel darstellen sollte.

Methode des Szenario-Trichters
Methode des Szenario-Trichters

Normal Case Szenario - Trend-Szenario

Das Trend-Szenario zeigt die Zukunft, in der sich die aktuelle Situation nicht ändert. Deswegen wird es auch oft entweder als „verlängerte Gegenwart“ oder als „Weiter-so-wie-bisher-Szenario“ bezeichnet.

Best Case Szenario - positives Extrem-Szenario

Das positive Extremszenario zeigt die bestmögliche Entwicklung und entspricht dem gewünschten Szenario. Es bedeutet nicht, dass es unmöglich ist, obwohl die tatsächliche Realisierung sehr unwahrscheinlich ist.

Worst Case Szenario - negatives Extrem-Szenario

Die schlimmstmögliche Entwicklung wird im negativen Extremszenario dargestellt. Das Eintreten des negativen Extremszenario ist sehr unwahrscheinlich, sollte aber nicht als unmöglich angesehen werden.

Prinzipiell können alle möglichen Zustände zwischen diesen Szenarien auftreten, damit Sie ihre Entscheidungsfindung sowie Strategie gezielt auf Änderungen abstimmen können, ist es wichtig, die Szenarien-Technik regelmäßig und detailliert durchzuführen.

Schritt für Schritt Anleitung für die Szenario-Technik

Die Szenariotechnik ist ein 7-stufiger Prozess, der systematisch abgearbeitet und iterativ an äußere und innere Änderungen angepasst werden kann.

0. Richtig vorbereiten

In einem Szenario-Workshop profitieren Sie enorm von unterschiedlichen Blickwinkeln aus interdisziplinären Team, weshalb Sie unbedingt Mitarbeiter oder externe Experten aus anderen Bereichen wie Wirtschaft, Wissenschaft oder öffentlicher Verwaltung oder gar ehrenamtliche Beschäftigte aus Vereinen mit Themenbezug mit hinziehen sollten. Achten Sie dabei darauf, dass eine effektive Gruppengröße zwischen 5-20 Leuten liegt.

Für größere Gruppengrößen ab 9 Leuten sollten Sie als Moderator bereits vorher Schritt 1: Definition der Ausgangssituation und Schritt 2: Festlegung des Problem Statements vorher erarbeiten, gegebenenfalls in kleinerer Runde. Die Dauer der Workshops hängt dabei stark von der Tiefe, Organisation sowie der Komplexität der Aufgabenstellung ab und kann von einem Tag auch schnell eine ganze Woche in Anspruch nehmen.  

Suchen Sie idealerweise andere Räumlichkeiten oder Kreativitätsräume auf, um alle Workshopteilnehmer aus dem normalen Umfeld herauszuholen und andere Blickwinkel anzuregen. Sorgen Sie ähnlich wie beim Brainstorming und Brainwriting für die Einhaltung der wichtigsten Regeln, dass jede Wortmeldung wichtig ist und keine Bewertung der Personen stattfindet. Getreu dem Motto – Es gibt keine dummen Ideen, sollte hier gelten: Es gibt keine falschen Blickwinkel!

Sorgen Sie zusätzlich zum vertrauensvollen Umgang miteinander auch für ausreichend Recherche Möglichkeiten zum Nachschlagen. Dafür können z.B. Fachzeitschriften oder Laptops mit Internetzugang schnell Annahmen und Gedanken mit entsprechenden Daten untermauern, was die spätere Analyse stark vereinfachen kann. Wie bei jedem anderen Workshop auch sollten gesunde Snacks und Getränke sowie ausreichend Pausenmöglichkeiten mit Bewegungsimpulsen, wie kleinen Spaziergängen die Regeneration unterstützen.

1. Definition der Ausgangssituation 

Damit alle Teilnehmer wissen, wo genau Sie starten, um ihre Szenarien zu entwickeln, ist es wichtig den aktuellen IST-Zustand zu definieren. Tragen Sie diese in einer kurzen anschaulichen Präsentation vor und unterstützen Sie die wichtigsten Kernpunkte dabei auch visuell mit einem Poster, damit jederzeit während der Bearbeitung der Szenarien wieder auf den Ursprung zurückgegriffen werden kann. Wichtige Fragen, die bei der Definition des Ausgangszustandes hilfreich sind:

  • Wo steht die Firma oder Idee gerade?

  • Um welche Produkte, Dienstleistungen oder Abteilungen geht es genau?

  • Welche externen oder internen Einflüsse bzw. Veränderungen führen zur Auseinandersetzung mit Szenarien?

Nachdem die aktuelle Situation klar kommuniziert wurde, sollten Sie sich dem Ziel der Szenarien-Workshops widmen und welche Rahmenbedingungen einen Einfluss auf die Zielerreichung haben können. 

Oftmals ist es hilfreich an dieser Stelle mit Kreativitätstechniken (wie z.B. das klassische Brainstorming oder Brainwriting) zu arbeiten, um möglichst viele Aspekte in der Gruppe zu sammeln. Auch sollten möglichst viele Probleme oder Teilprobleme zusammengetragen werden aus dem im nächsten Schritt dann die wichtigsten Punkte ausgewählt werden, um zielgerichtet die Analyse durchführen zu können.

Tipp: Führen Sie eine extra Wand ein, bei der alle Unsicherheiten, die auffallen, angeheftet werden können. Gerade in späteren Schritten ist dies immer wieder sehr hilfreich, um z.B. de Störereignisse identifizieren zu können. 

Um Ihre Teilnehmer anzuregen, können Sie auch die folgenden Fragen direkt stellen und so die Entwicklung der Ideen strukturieren.

  • Warum werden Themen wie z.B. Digitalisierung oder Demografie als für uns problematisch wahrgenommen?

  • Wo und wie äußert sich bei uns oder beim Kunden das Problem? Wie wird es überhaupt erkannt?

  • Wie wird das Problem aktuell gelöst und durch welche Umstände wird es schlimmer oder besser?

  • Welche gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder ökologischen Einflüsse werden spürbar, falls das Problem weiterhin bestehen bleibt?

2. Analyse-Aufgabenstellung festlegen

Nachdem mehrere Aspekte gesammelt wurden, sollten die Punkte geclustert und ein Affinitätsdiagramm zur Strukturierung erstellt werden. Über die wichtigsten Merkmale kann dann durch eine Punktabstimmung entschieden werden, um den Fokus zu erhöhen, wenn bereits zu viele Themen gesammelt wurden.

Im Anschluss sollte ähnlich, wie im Design Thinking, ein strukturiertes Problem Statement in Form eines Satzes formuliert und für alle dauerhaft während des Workshops sichtbar aufgehängt werden.

Formulierungsvorschlag für eine Aufgabenstellung in der Szenariotechnik

Gerade bei sehr komplexen Themen kann es hier auch zu vielen Diskussionen kommen, wo etwas Fingerspitzengefühl in der Moderation gefragt ist. Manchmal kann sich auch nicht auf ein einzelnes Problem Statement geeinigt werden, weshalb bei einigen Szenario-Analysen auch 2-3 Problemstellungen notwendig sind.  

Beispiele für mögliche Problem Statements, oder im wissenschaftlichen Bereich auch oft als Forschungsfrage genannt, finden Sie im folgenden:

  • Wie wird die Digitalisierung die Baubranche in den nächsten 5, 10 oder 20 Jahren verändert haben?

  • Welche Veränderungen werden in der Vertriebsabteilung die Zusammenarbeit in den nächsten 20 Jahren beeinflussen (in 5 Jahresabständen).

  • Wie sieht der Alltag von Verwaltungsangestellten im Finanzamt im Zuge der Demografie und Digitalisierung in 5 und 10 Jahren aus?

Hinweis: Definieren Sie in ihrem Statement die notwendigen Zeithorizonte. Damit Sie ein klares Zukunftsbild bekommen, empfehlen sich oft 2 oder 3 verschiedene Zeitpunkte, um so die Einflüsse besser verstehen zu lernen. So lassen sich auch die gezielten Einflüsse von Strategien und Entscheidungen auf die zukünftigen Situationen besser hinterfragen und Handlungsempfehlungen ableiten. 

3. Einfluss- und Wirkungsanalyse festlegen

Nachdem Sie ihre zentrale Frage festgelegt haben, sollten Sie alle dazugehörigen Themengebiete ordnen und in Beziehung zueinander bringen. Bis zu einer gewissen Komplexität lassen sich mit Hilfe des Mind Mappings, sehr gut die Beziehungen zwischen den einzelnen Rahmenbedingungen visualisieren. 

Danach wird die Menge an Informationen jedoch zu groß und es ist nicht mehr möglich, den Überblick zu behalten. Im folgenden Beispiel haben wir versucht, die Verbindungen zwischen den wichtigsten Bedingungen mit Hilfe von Pfeilen und Symbolen zur Beziehungsbeschreibung so übersichtlich wie möglich zu machen. 

Ausschnitt aus einer Einfluss- und Wirkungsanalyse
Ausschnitt aus einer Einfluss- und Wirkungsanalyse

Weitere Möglichkeiten um die Themeneinflüsse aufzubereiten sind unter anderem die Erstellung eines Morphologischen Kasten oder eine Einflussmatrix. Diese helfen im späteren Schritt 6 auch dabei verschiedene Szenarien zu entwickeln.

Tipp: Als Ausgangsbasis kann auch eine Umfeldanalyse, besonders die Pestel-Analyse, eine schnelle Grundlage für die Untersuchung der Einflussfaktoren schaffen.

PESTEL Kategorien
PESTEL Kategorien

Sie können auch bei der Ermittlung der wichtigsten Einflussfaktoren auf die folgende gekürzte Liste zurückgreifen oder in unserem Artikel zur Umfeldanalyse eine ausführlichere Liste finden.

Politische Faktoren

  • Bildungsausgaben

  • Forschungssubventionen

  • Steuerpolitik

  • Handelspolitische Entwicklungen

  • außenpolitische Veränderungen

  • anstehende Wahlen

Ökonomische Faktoren

  • lokales bzw. globales Wirtschaftswachstum

  • Wechselkurse und deren Schwankungen

  • Energiekostenentwicklung

  • Inflationsraten

  • Verfügbarkeit von Subventionen

  • Anpassungen in der Steuerlast

  • Zölle

Sozio-kulturelle Faktoren

  • Demografische Entwicklung

  • Religionen und ethnische Einflüsse

  • Bildungsniveau

  • Verfügbarkeit von Personal

  • lokale Infrastruktur

  • Lohnniveau 

  • Kultur und Freizeitangebote

Technische Faktoren

  • Innovationsentwicklungen in der eigenen Branche

  • Logistische Entwicklungen

  • Erkenntnisse in der Forschung

  • Durchsetzen verschiedener Technologien (auch in angrenzenden Branchen)

  • Einfluss der Digitalisierung

Ökologische Faktoren

  • Verbrauch von endlichen Ressourcen

  • Energieverbrauch (Verschwendung & Sparpotentiale)

  • Recyclingverfahren und Cradle-to-Cradle Kreisläufe

  • Verschmutzungen von Wasser, Luft und Lebensräumen 

Rechtliche Faktoren

  • Restriktionen für Produkte oder Dienstleistungen

  • Kennzeichnungspflichten

  • Produkthaftungen

  • Werbeverbote

  • Veränderungen im Arbeitsrecht 

Mit diesen Fragen zur Umfeldanalyse können Sie und ihr Team starten, um die für Sie passenden Einflussfaktoren zu identifizieren. In der Regel sind nach diesem Punkt bereits eine Vielzahl verschiedener Einflussfaktoren auf die zu bildenden Szenarien vorhanden, weshalb Sie nochmal in die Reflektion gehen sollten, welche der gesammelten Aspekte wirklich einen großen Einfluss haben können. Konzentrieren Sie sich vorerst auf diese Schlüsselfaktoren, da sonst die Komplexität und Menge der zuverabeitenden Informationen schnell zu stark ansteigen.

Tipp: Versuchen Sie sich auf maximal 20 Schlüsselfaktoren zu einigen, da dies auch noch in Workshops händelbar ist. 

4. Trends, Annahmen und Metriken definieren

Disclaimer: Ab diesem Punkt startet die eigentliche Zukunftsprojektion der Szenario-Technik. Das heißt, dass alles was ab hier passiert reine weg auf Annahmen basiert und alle Veränderungen nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten. Es ist nichts zu 100% klar, weshalb es wichtig ist, dass in Ihrer Workshopgruppe keine Meinungsdominanz einzelner Personen herrscht.

Jeder Schlüsselfaktor wird neutral beschrieben, um keine voreingenommene Meinungsbildung zu haben. Zur genaueren Betrachtung werden dann entsprechende Indikatoren und Metriken (Kennzahlen) für diesen Schlüsselfaktor definiert. Anschließend werden die möglichen Entwicklungen für jeden dieser einzelnen Faktoren diskutiert und niedergeschrieben. Diese sogenannten Projektionen sollten neutral formuliert werden und sowohl mögliche positive und negative Verläufe als auch potentielle Umbrüche im Verlauf sichtbar machen. 

Beispiele für Projektionen:

  • Der demografische Wandel wird die gesamte Anzahl an potentiellen Mitarbeitern für ein Themengebiet innerhalb der nächsten 10 Jahre um 20-30% reduzieren.

  • Durch die Entwicklungen im Bereich der Akku-Technologie wird der Bedarf an seltenen Erden um 40% innerhalb der nächsten 15 Jahre sinken.

  • Der rasante Anstieg an Digitalisierung in KMU’s führt zu einer signifikanten Reduktion von sich wiederholenden Arbeitsabläufen hin zur Projektarbeit, was zu einer Zunahme an Weiterbildungsbedarf um 30% in der Personalentwicklung innerhalb der nächsten 5 Jahre führt.

An diesem Punkt findet in der Regel die meiste Recherche statt und Sie sollten alle möglichen Entwicklungen mit Informationen, Daten, Studien und Beispielen belegen, damit Sie so realistisch wie nur möglich arbeiten. Schreiben Sie die Zusammenhänge, Abhängigkeiten sowie Wechselwirkungen akribisch auf und nehmen sich die Zeit für eine genaue Visualisierung z.B. in Form eines Onepagers für jeden Schlüsselfaktor, die in Ihrem Workshop nebeneinander aufgehangen werden können. 

Hinweis: Gerade bei der Entwicklung von Szenarien sind Gründer von neuen Unternehmen nicht neutral und haben verzerrte Meinungsbilder, weshalb die Einbeziehung von neutralen Beratern oder Fachexperten der Branche sehr hilfreich ist. Ansonsten werden gerade in der Due Diligence von Venture Capital Gebern genau diese Projektionen selbst entwickelt und auch gezielt als Schritt in der Entscheidungsfindung für deren Investitionen hinterfragt. 

Sobald Sie die Zusammenhänge zwischen den Schlüsselfaktoren erarbeitet haben, sollten Sie die Konsistenz (Grad und Art der Zusammenhänge) zwischen den Projektionen in einer Konsitenzmatrix eintragen. Hierfür können Sie gerne unser Notion.so-Template verwenden.

Hierfür verknüpfen Sie die Schlüsselfaktoren und auch die einzelnen Projektionen mit den anderen Projektionen, bei den Wechselwirkungen existieren können und nutzen z.B. ein Sternbewertungssystem, um die Zusammenhänge zu veranschaulichen. Wir nutzen hierfür idr. eine Skala von -2 bis +2 als Skala mit den folgenden Beschreibungen. 

  • -2 = absolute Inkonsistenz, die Projektionen (bzw. Schlüsselfaktoren) passen überhaupt nicht zueinander

  • -1 = mittlere Inkonsistenz, die Projektionen passen weitgehend nicht zueinander und haben keine Wechselwirkungen miteinander

  • 0 = neutral, die Projektionen weisen keine Wechselwirkung miteinander auf

  • +1 = mittlere Unterstützung, die Projektionen unterstützen sich teilweise und weisen dabei mittlere Wechselwirkungen zueinander auf

  • +2 = absolute Unterstützung, die Projektionen unterstützen sich gegenseitig sehr stark und weisen hohe Wechselwirkungen miteinander auf.

5. Störereignisse identifizieren

Dem Punkt der Störereignisse bzw. Umbrüche in der Projektion von Schlüsselfaktoren räumen wir meist einen separaten Teil in der Szenariotechnik ein, da hier grundlegende Triggerpunkte für Strategiewechsel und Reaktionen zu finden sind, die sonst oft unter den Tisch fallen.

Fragen Sie sich und ihr Team also gezielt:

  • Welche Ereignisse können die komplette Projektion über den Haufen werfen?

  • Gibt es spezielle Entscheidungspunkte von den die zukünftigen Entwicklungen abhängen?

  • Gibt es unternehmensinterne Entscheidungen oder gar politische Entscheidungen, die eine Neuausrichtung in dem Bereich notwendig machen?

  • Gibt es spezielle einzelne Ereignisse oder Events deren Ausgang noch nicht eingeschätzt werden können?

  • Gibt es bestimmte Veränderungen bei Konkurrenten, die einen neuen Umgang mit dem Thema in der gesamten Branche nach sich ziehen könnten?

In der Szenarioanalyse können die Störereignisse komplette Änderungen nach sich ziehen und damit den Szenario-Trichter erheblich verändern, weshalb Sie diese nicht nur in der Betrachtung der Störereignisse erarbeiten, sondern auch falls möglich terminiert festhalten sollten, damit Sie in der Umsetzung nicht unter den Tisch fallen. Legen Sie sich am besten gleich regelmäßige Termine im Kalender fest, wo Sie diese Ereignisse aus Ihrer Szenarioanalyse gegenprüfen. 

6. Szenarios entwickeln

Nachdem Sie die entsprechenden Projektionen und die einzelnen Wechselwirkungen erfasst haben, kommt der Schritt bei den aus diesen die einzelnen Szenarien abgeleitet werden. Hierfür können Sie die Projektionen clustern oder per Filter Einstellungen in unserem Notion.so-Template herausarbeiten und entsprechend gemeinsam beschreiben.

Screenshot aus unserem Notion.so-Template für die Szenarioanalyse
Screenshot aus unserem Notion.so-Template für die Szenarioanalyse

Nachdem Sie die entsprechenden Projektionen und die einzelnen Wechselwirkungen erfasst haben, kommt der Schritt bei den aus diesen die einzelnen Szenarien abgeleitet werden. Hierfür können Sie die Projektionen clustern oder per Filter Einstellungen in unserem Notion.so-Template herausarbeiten und entsprechend gemeinsam besc

Sobald Sie diese Clusteranalyse durchführen, ist es wichtig, dass Sie diese Cluster an Szenario-Alternativen detailliert und genau beschreiben, damit Sie in der folgenden Interpretation Ihre eigene Positionierung bzw. Strategie ableiten können.

7. Tiefenanalyse und Interpretation der Szenarien  

In diesem letzten Schritt der Szenario-Technik fassen Sie alle gesammelten Erkenntnisse sowie die verschiedenen Szenarien zusammen und prüfen deren Einfluss auf die Entwicklung Ihres Projektes bzw. Ihres Unternehmens. Für die Szenario-Entwicklung sowie deren Veranschaulichung lassen sich Storys sehr gut nutzen.

Hinweis: In unserem Artikel zum Storytelling finden Sie einen detaillierten Leitfaden, der Ihnen bei der Entwicklung Ihrer Szenario-Storys hilft.

Bei der Formulierung Ihrer Szenario-Storys sollten Sie auf Trennschärfe achten, damit die unterschiedlichen Auswirkungen im Szenario-Trichter besser greifbar sind. Bedenken Sie dabei, dass sich einzelne Szenarien auch widersprechen dürfen und komplett andere Zukunftsbilder zeichnen können. Genau darum geht es ja letztendlich auch in der Szenario-Analyse, unterschiedliche Zukunftssituationen zu erhalten und die Triggerevents und Einflüsse für diese Realität zu ergründen. So sollten Sie auch unbedingt mehrere Szenarien beschreiben, deren Eintrittswahrscheinlichkeit zwar gering sind, jedoch die verschiedenen Ausprägungen und Entwicklungsstränge sichtbar.

In der Wirtschaft und gerade bei der Beschreibung von Szenarien in Businessplänen haben sich mindestens die Beschreibung eines Worst Cases, eines Best Cases und der eigentliche Business Case durchgesetzt. 

Worauf Sie in der Szenario-Analyse für Geschäftsmodelle in der Entwicklungsphase unbedingt achten sollten

Dies ist ein wichtiger Teil des Planungs- und Entwicklungsprozesses von neuen Geschäftsmodellen, der jedoch oft übersehen wird, egal ob in Startups oder in bestehenden Unternehmen, die sich auf einen neuen Markt wagen wollen.

Die Analyse des Geschäftsmodells erfordert dabei eine gründliche Untersuchung der aktuellen und zukünftigen Situation Ihres Vorhabens, einschließlich einer vollständigen Analyse aller potenziellen Projektionen.

Auf diese Weise können Sie herausfinden, worauf Sie ihre meist sehr begrenzten Ressourcen bündeln, um den größtmöglichen Gewinn für Ihr Unternehmen zu schaffen.

Da jedes Geschäftsmodell und dabei ist es egal mit welchem Tool Sie arbeiten, ob Business Model Canvas, Lean Canvas oder auch vertiefend das Value Proposition Canvas, auf Annahmen und Hypothesen beruht, hilft die Projektion von Szenarien schnell die kritischen Elemente zu erkennen. Je nach zukünftiger Entwicklung sollte eine detaillierte Assumptions Map erstellt werden, um so die elementaren Annahmen herauszufiltern und den Fokus im Nachweis zu ermöglichen. In vielen Fällen unterscheiden sich dabei die Annahmen, welche nachgewiesen werden müssen, dies deutet meist darauf hin, dass in dem geplanten Geschäftsmodell mehrere grundlegende Geschäftsmodelle verborgen sind. Teilen Sie diese Modelle in ihre Bestandteile auf und überprüfen Sie die zugehörigen Geschäftsmodellhypothesen einzeln mit Hilfe von Experimenten im Sinne der Build Measure Learn Loop aus dem Lean Startup Ansatz.

Hinweis: Damit Sie beim Experimentieren rund um Ihre Idee die Übersicht behalten, können Sie hier unser Lean Startup Notion.so-Template runterladen.   

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Szenariotechnik Ihnen hilft, eine Vision Ihrer idealen Zukunft zu erstellen und mögliche Hindernisse auf dem Weg dorthin zu erkennen. Sobald Sie einzelne Szenarien und Projektionen erstellt haben, können Sie diese als Basis für Ihre Strategie nutzen, um die richtigen Entscheidungen für Ihr Unternehmen und auch Ihr Leben zu treffen. Es ist ein einfaches Konzept, das Ihnen helfen kann, die Chancen und Risiken zu erkennen, indem Sie die folgenden Schritte durchlaufen.

  • IST- Zustand ermitteln

  • Ziel und Problemstellung festlegen

  • Kritische Schlüsselfaktoren ermitteln

  • unterschiedliche Projektionen bzw. Entwicklungen erkennen

  • Messgrößen und Störereignisse identifizieren

  • Bündeln der Projektionen, um Szenarien zu erstellen 

  • Tiefenanalyse der Szenarien durchführen und deren Auswirkung aufdecken

Literaturempfehlung zum Thema

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